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Ein Tag im Sternendorf

Als ich aufbreche ist die Sonne noch nicht hinter der dicken Decke aus mächtigen Wolken auszumachen und ich frage mich, ob es wohl ein guter Tag für einen Besuch im Sternendorf ist. Voller Begeisterung und Neugierde biege ich trotzdem bei Bozen Richtung Eggental ein und mache mich auf den Weg nach Gummer, zum Sternendorf in Südtirol.

Schon der Weg hat etwas Abenteuerliches an sich, denn nach zwei langen Tunnels verläuft die kurvige Straße in einer steilen und felsigen Schlucht. Es soll sich um jene Schlucht handeln, die schon so manchen Schriftsteller zu spannenden Romanen inspiriert hat.

Eine kurze Fahrt und viele Kurven später erreiche ich das kleine Dorf Gummer mit seiner Sternwarte und dem erst kürzlich eröffneten Planetarium. Als ob sie nur auf mich gewartet hätte, zeigt sich jetzt auch die Sonne und taucht den bewaldeten Hang in ein wundervolles Licht. Da es noch zu früh für eine der spannenden Vorführungen im Planetarium ist, fahre ich weiter zur Fraktion St. Valentin, wo sich auch die Sternwarte befindet, welche ich am Abend noch besuchen möchte.

Nur wenige Schritte von der ersten und einzigen Sternwarte Südtirols entfernt, liegt das Gasthaus Untereggerhof. Da ich heute noch Großes vorhabe, nehme ich dort noch eine köstliche Stärkung zu mir. Die typischen Südtiroler Gerichte schmecken nicht nur wegen der familiären Atmosphäre so gut, sondern auch weil hier noch alles selbst gemacht wird und viele Produkte vom eigenen Hof verwendet werden. Sogar das Brot wird im alten Brot-Ofen gebacken und wer möchte, kann im Sommer dabei zusehen.

Nach einer süßen Portion Apfelkiachlen – die bekommt man ja leider so selten – betrete ich den Planetenweg, der direkt am Hof startet und in gut 2 Stunden zu machen ist. Hier wandert man von Planet zu Planet und erfährt dabei Vieles über unser Sonnensystem, die Planeten und deren Größenverhältnisse. Auf dem Weg zwischen den einzelnen Planeten, kann man sich am traumhaften Dolomitenpanorama erfreuen.

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich mich beeilen muss, um rechtzeitig zur Vorführung im Planetarium von Gummer zu sein. Anstatt der vorgesehenen 2 Stunden habe ich 2,5 gebraucht – die Schuld dafür gebe ich nicht meiner mangelnden Kondition, sondern den Apfelkiachlen in meinem Bauch – und ja, ich würde sie wieder genüsslich verspeisen.

Das moderne Planetarium bietet eine 8-Meter-Bildschirmkuppel, eine Auflösung von 12 Mio. Pixel und eine ausgefeilte Technik, die mich dank 3D-Brille ins Weltall eintauchen lässt. Nur wenige Planetarien weltweit bieten Zuschauern eine dermaßen realistische Illusion.

Den Kopf voller beeindruckender Bilder und interessanter Fakten zum Thema Weltall, mache ich mich wieder auf zur Sternwarte in St. Valentin und kann es gar nicht erwarten bei der vorgemerkten Führung um 20 Uhr noch mehr über die Weiten des Alls zu erfahren. Nach einer kurzen Einführung ins Thema Astronomie kann man durch das Teleskop einen Blick in den nächtlichen Sternenhimmel werfen. Auf der Anhöhe über dem Eggental stören keine Lichter die Sicht auf die faszinierende fremde Welt, die ich bei meinem Besuch im Sternendorf zumindest ein bisschen kennenlernen durfte.

Mit unbegreiflich schönen Bildern im Kopf und dem neu erworbenen Wissen, mache ich mich auf den Heimweg. Als ich vom Auto aus einen kurzen Blick auf die Sterne werfe, fühle ich mich stolz wie ein kleiner Entdecker, der den großen Geheimnissen des Universums auf der Spur ist.

Fotos: © Planetarium Südtirol-Alto Adige/Frank-Michael Arndt

Weitere Informationen:

www.sternwarte.it
www.planetarium.bz.it

am 11.03.2014