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Wildwasserrafting

Die einen schütten sich einen Kübel Eiswasser über den Kopf, die anderen marschieren musizierend und paukenschlagend mit der ganzen Musikkapelle durchs Bachbett. In letzter Zeit waren so viele Wasser-Videos in Umlauf, da muss man ja fast mitmachen. Für meine nasse Herausforderung habe ich allerdings weder eine Nominierung noch eine Videokamera gebraucht. Nur etwas Überwindung, eine Handvoll wagemutiger Leute und ein Date bei den Jungs von River Tours.

So stehe ich also an einem Samstagmorgen vor dem Bootshaus in Uttenheim und begutachte argwöhnisch, was mir der River Tours-Chef Peter in die Hand drückt: Neoprenanzug, Socken und Schuhe, Badehaube, Helm und Schwimmweste. Die erste Challenge besteht anscheinend darin, das alles anzuziehen. Oder ist das schon das Aufwärmtraining? Denn in leicht feuchtem Zustand schmiegt sich der dicke schwarze Stoff (um den ich später zwecks Kälte und spitzer Steine noch froh sein werde) besonders fest an die Haut.

Dann geht es auch schon los. Unsere leicht bis mittelschwere Tour für Anfänger klingt im ersten Moment ein bisschen nach einer gemütlichen Bootsfahrt. Doch weit gefehlt. Das wird mir schon klar, als unser Bootsführer – übrigens ein sehr lässiger und zugleich vertrauenserweckender Typ – erklärt, dass der erste Teil des Rafting-Abenteuers eine "Wildwasserschulung" beinhaltet. Wenn man wasserscheu oder ein schlechter Schwimmer ist, muss man die zwar nicht machen, sie ist aber sehr zu empfehlen.

Wir sollen nämlich ein Gefühl für die Strömung bekommen, sagt er. Denn alle Sportler, die in einem Wildbach unterwegs sind, müssen das Wasser "lesen" können. Nur wer ein Kehrwasser erkennt, also einen Bereich, in dem die Strömung flussaufwärts geht oder nahezu stehen bleibt, kommt im Notfall auch heil aus dem Wasser heraus. Nach einigen theoretischen Ausführung springen wir einer nach dem anderen – im wahrsten Sinne des Wortes – ins kalte Wasser. Mit viel Strampeln, Wasserschlucken und nach Luft Japsen schaffen es auch alle wieder wohlbehalten ins Boot und ans Ufer zurück.

Nach dieser zweiten Prüfung geht es beim eigentlichen Rafting richtig zur Sache. An die ersten Wellen wagen wir uns noch etwas zaghaft heran, doch nach kurzer Zeit sind auch die letzten Ängste weggespült. Das Paddel halte ich fest in der Hand, die Füße stecken sicher unter den Halteschlaufen, Stromschnellen – wir kommen! Unser kleines Boot schaukelt auf und nieder, wird zwischen den Steinen hin und her gestoßen, immer wieder schwappt links oder rechts ein großer Schwall Wasser herein. Die Wellen tosen so laut, sodass ich die Kommandos des Bootsführers kaum höre und nur mehr darauf achte, was mein Vordermann macht.

Schließlich ist Rafting ein Teamsport. Mit unserem super River Tours-Bootsführer, meiner erstklassigen Mannschaft, dem notwendigen Wasser-Wissen und regenbedingt hervorragender Strömung ist Rafting ein actionreiches Erlebnis, das ich nur weiterempfehlen kann. Und ich habe auf jeden Fall Blut geleckt bzw. Wasser geschluckt: das nächste Mal geht’s zum Canyoning!

 

Weitere Informationen:
www.suedtirol-river-tours.com

Fotos © River Tours

geschrieben von
Steffi
am 22.09.2014