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Dem Himmel so nah

Nichts, aber rein gar nichts verstellt mehr den Blick. Meine Beine baumeln in der Luft, die hier oben trotz brütender Hitze im Tal angenehm kühl ist. Ich schaue nach links, nach rechts, nach oben und unten und kann mich gar nicht sattsehen. Nicht sattfühlen. Ein leicht nervöses, doch nicht ungutes Kribbeln im Bauch, ein breites Grinsen im Gesicht und so viel Luft zum Atmen... Jetzt verstehe ich, woher der Ausspruch "nur Fliegen ist schöner" kommt.

Denn es gibt tatsächlich kaum etwas Schöneres, als federleicht durch die Luft zu schweben und die Spielzeuglandschaft rund um den Kronplatz ganz gelassen von oben zu betrachten. Ich halte inne und vergesse für einige Zeit einfach alles, was dort unten liegt – so faszinierend ist es, die vertraute Umgebung meines Zuhauses aus dieser neuen Perspektive zu sehen. Zugegeben, bis über die Wolken hinauf haben wir es mit unserem Gleitschirm nicht geschafft. Doch wenn die von Reinhard Mey besungene Freiheit schon knapp unterhalb der Wolkendecke so grenzenlos ist, kann ich mir das Hochgefühl darüber fast nicht mehr vorstellen.

Dass gerade das Erlebnis von Freiheit die Faszination des Paragleitens ausmacht, bestätigt auch mein Tandempilot Martin: "Man fühlt sich absolut frei, kann richtig abschalten und die Ruhe genießen." Um genau diese Erfahrung mit wagemutigen Fluggästen zu teilen, haben er und zwei weitere Paragleitprofis vor knapp einem Jahr Kronfly Tandem in Reischach gegründet. Seitdem startet er – wann immer das Wetter es zulässt – mehrmals täglich mit seinem Gleitschirm und einem Passagier im Tandem am Kronplatzgipfel.

Paragleiten gehört auf jedermanns To-do-Liste

Nachdem ich es selbst gewagt habe, bin ich mir ganz sicher: Paragleiten muss man ausprobieren. Zumindest einmal im Leben. Am besten öfter. Dafür gibt es gute Gründe. Erstens: Der Blick von oben auf die Welt ist einzigartig. Die Aussicht von einem alles überragenden Berggipfel mag vielleicht in dieselbe Richtung gehen, kommt jedoch bei weitem nicht hin. Und bei Flügen mit anderen Luftfahrzeugen fehlen die Unmittelbarkeit, der Wind und die Sonne direkt im Gesicht, das Nichts unter den frei schwingenden Füßen.

Was mich schon zu Grund Nummer zwei bringt: Kein Rattern, Rumpeln oder Dröhnen mindert das Flugvergnügen. Schließlich fliegt man lautlos, ohne Motor. Um abzuheben, muss man dafür zwar beim Start einen kleinen Beitrag leisten; bei den richtigen Windverhältnissen – und die kennen die Kronfly-Piloten genau – reichen jedoch schon wenige Laufschritte aus und ehe man es sich versieht, ist der Boden unter den Füßen weg. Was jedoch keineswegs beunruhigend oder gar angsterregend ist. Ganz im Gegenteil. Denn bevor man über den fehlenden festen Untergrund nachdenken kann, fliegt man – bequem wie in einem Sessel sitzend – durch die Luft und kann das landschaftliche Schauspiel in aller Ruhe genießen.

Und weil aller guten Gründe drei sind: Mit einem erfahrenen Paragleiter an seiner Seite kann so ziemlich jeder gleitschirmfliegend in die Luft gehen, im Sommer ebenso wie im Winter. Wer fliegen will, braucht keine Flügel, keine besonderen Kenntnisse oder sportliche Fähigkeiten. Einzig entsprechende Kleidung und gutes Schuhwerk – sprich: keine Sandalen – sind nötig. Und vielleicht ein klein wenig Mut, ein bisschen Abenteuerlust und ein gnädiger Wind- und Wettergott, der für gute Verhältnisse sorgt. Für alles andere sind die bestens ausgerüsteten, flugerfahrenen und natürlich staatlich geprüften Tandem-Piloten zuständig, die einen exzellenten Job machen.

Achtung: Suchtgefahr

Was gegen einen Gleitschirmflug spricht? Nichts. Außer vielleicht, dass in der Luft die Zeit wie im Flug vergeht. Mir jedenfalls waren die rund 30 Flugminuten viel zu schnell vorbei. Am liebsten wäre ich gleich wieder zur Gondel gelaufen, auf den Gipfel gefahren und nochmal losgeflogen. Was zugleich für ein weiteres Risiko spricht, nämlich die Suchtgefahr, die mit dem Paragleiten zweifellos einhergeht. Das kann auch Martin von Kronfly nicht abstreiten, dem das luftige Vergnügen auch nach unzählbar vielen Flügen schon nach kurzer Pause fehlt.

 

Weitere Informationen:
www.kronfly.it | Kronfly auf FB
Tel.: +39 340 006 9399 (Martin) | +39 340 970 1960 (Lukas) | +39 346 091 1533 (Reini)

Fotos © Kronfly

geschrieben von
Steffi
am 26.08.2015