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Jörg Hofer

Seit seiner Kindheit beeindruckt von den Arbeitern im Laaser Marmorbruch, fasziniert vom Material Marmor und inspiriert von den Wandmalereien in Pompeji, entwickelte der Künstler Jörg Hofer seinen ungewöhnlichen Stil.

Wie jeder, der in Laas geboren und aufgewachsen ist, kann sich auch Hofer der Faszination des berühmten Laaser Marmors nicht entziehen. Der von ihm verwendete Marmorsand entsteht als Abfallprodukt der Steinmetze und wird dort achtlos weggeworfen. Jörg Hofer sieht im Sand ein edles Material und gibt ihm eine neue Bestimmung als tragendes Element seiner Kunstwerke.

Seine Bilder entstehen mittels uralter Freskotechnik, welche schon in Pompeji angewandt wurde. Dafür vermengt der Künstler aus dem Vinschgau Marmorsand mit Pigmenten und Ei-Tempera und malt damit seine beeindruckenden Bilder.

Die reliefartigen Werke sollen nicht „schön“ sein, sondern vibrieren – auf den Betrachter wirken. Um die Bilder von Jörg Hofer verstehen zu können, spielt der haptische Aspekt eine große Rolle: erst in der Berührung und im Ertasten der Struktur kann die Botschaft des Künstlers zum Rezipienten übergehen. Die plastischen Elemente ermöglichen außerdem ein wohl erprobtes Spiel mit Licht und Farbe. Die Natur dient Jörg Hofers Kunst als Material und, wie in der Bildreihe „Erdrutsche und Permafrost“, auch als Themenschwerpunkt.

Vielleicht kommt der starke handwerkliche Charakter seiner Arbeit daher, dass er ursprünglich gelernter Metzger war und den elterlichen Betrieb übernehmen sollte. Der Drang zum künstlerischen Schaffen führte Hofer aber an die Akademie der Bildenden Künste nach Wien. Dort absolvierte er die Meisterklasse für Malerei unter dem bekannten österreichischen Maler Professor Max Weiler und erhielt mehrere Auszeichnungen und ein Auslandsstipendium des Bundesministeriums.

Nach dem Studium kehrte Jörg Hofer nach Laas zurück und baute gemeinsam mit dem befreundeten Architekten Werner Tscholl einen alten Stadel in ein großes Atelier um. Nach den Jahren in Wien hielt er es in der Provinz zunächst nicht lange aus und flüchtete wieder in die inspirierende Stadt, welche ihm aber schon bald wie ein goldener Käfig vorkam.

Nach langem Hin und Her entschied sich der Künstler schließlich für Südtirol. Er hält sich aber noch heute die Möglichkeit offen in seiner zweiten Niederlassung in Wien die Reibung der Stadt zu erleben um mit einer neuen Perspektive in den Vinschgau zurückzukehren. Dies ist, ebenso wie die vielen Reisen des Künstlers wichtig, um neue Inspirationen zu sammeln.

Die Berge bedeuten für Jörg Hofer Freiheit. Die Höhe und der Blick von oben sind wesentlich für die Wahrnehmung der Relativität und der Dimensionen, welche neben dem Aspekt des Raumes in seiner Kunst ebenfalls eine große Rolle spielen. Trotzdem schleicht sich zuweilen eine gewisse Enge ein, die nur durch Abstand von der Heimat überwunden werden kann.
 

Weitere Informationen:
www.joerg-hofer.it

Fotos: © Jörg Hofer und Georg Tappeiner

am 28.06.2013