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Das Frauenmuseum in Meran

Südtirol ist nicht nur das Land der Berge und der malerischen Landschaften, sondern hat auch eine Reihe von sehenswerten Museen zu bieten. Einige davon sind sehr bekannt, während andere wahre Geheimtipps sind. Eines dieser musealen Schmuckstücke ist das Frauenmuseum in Meran.

Gegründet wurde das Museum bereits im Jahr 1988 von der gebürtigen Vorarlbergerin Evelyn Ortner. Seit 2011 ist das Frauenmuseum im ehemaligen Klarissenkloster am Kornplatz, im Zentrum von Meran, untergebracht. Da es im Kloster früher auch eine Schule für Mädchen gab, ist das Gebäude der perfekte Rahmen für ein Museum mit Bildungsauftrag und mit dem Ziel der Sensibilisierung für Frauengeschichte.

Über zwei Stockwerke erstreckt sich das innovative und moderne Museum, in welchem es eine permanente Ausstellung, eine Fachbibliothek und wechselnde Sonderausstellungen gibt. Außerdem werden immer wieder interessante Veranstaltungen, Vorträge und Tagungen organisiert, denn das Frauenmuseum in Meran sieht sich als Ort der Begegnung, des Lernens und der Forschung.

Ich beginne mit der Dauerausstellung, die Alltagsgegenstände, Mode und Accessoires von Frauen aus verschiedenen Epochen zeigt. Sie führen mir den jeweiligen Zeitgeist und die Bedeutung der Frau in der Gesellschaft vor Augen. Dabei geht es dem Museum nicht darum, den Zeigefinger zu erheben, sondern die verschiedenen Frauenbilder im Laufe der Geschichte aufzuzeigen. Die persönlichen Alltagsgegenstände der Vergangenheit sollen dazu anregen, die Rolle der Frau von heute zu reflektieren und zu hinterfragen.

Ich flaniere zwischen den Ausstellungsstücken wie durch eine Einkaufsstraße. Prächtige Kleider, eine alte Waschmaschine und unterschiedlichste Gegenstände des täglichen Gebrauchs werden in Vitrinen präsentiert. Einst waren sie ihren Besitzerinnen mehr oder weniger nützliche Helfer oder kostbare Erinnerungsstücke mit einer besonderen persönlichen Bedeutung, wie ein Hochzeitskleid. Heute erzählen sie mir Geschichten, zeigen wie sich das Leben als Frau verändert hat und was noch immer gleich geblieben ist.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Korsett, welches das Frauenmuseum in Meran auch als Symbol gewählt hat. Lange Zeit war es ein fester Bestandteil der weiblichen Kleidung. Wenn ich ein Korsett heute betrachte, erscheint es mir fremd und lässt mich über die Rolle der Frau nachdenken. War es bequem oder sollte es den Körper der Mode unterwerfen? Konnte man sich mit einem Korsett frei bewegen und arbeiten oder gehörte die körperliche Arbeit in diesen Epochen oder in bestimmten Gesellschaftsschichten nicht zu den Aufgaben einer Frau?

Das Frauenmuseum möchte die Geschichte der Frau nicht vollständig und in einer chronologischen Abfolge darstellen, sondern vielmehr die weibliche Wirklichkeit sichtbar machen, welche in der allgemeinen Geschichtsschreibung ausgeblendet wird.

Wer mehr über die Geschichte der Frau erfahren möchte oder eine Schwäche für historische Alltagsgegenstände oder für die Mode vergangener Epochen hat, sollte sich das Frauenmuseum in Meran nicht entgehen lassen.

 

Weitere Informationen:

www.museia.it

am 06.11.2014