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Kaffeerösterei Kuntrawant

Viele lieben ihn. Schätzen und brauchen ihn, ja können keinen Tag ohne ihn sein. Ob schwarz oder „gefleckt“, aus der Mokka- oder Filterkanne, zum Frühstück, zum Apfelstrudel oder in der Arbeitspause… Kaffee ist ein Lebenselixier. Ein wahrer Zaubertrunk, der dem Montagmorgen – und sei er noch so früh – seinen Schrecken nimmt. Die Sinne belebt und die müden Geister munter macht. Und im Idealfall natürlich auch vorzüglich schmeckt. So wie der „Vinschger Schmugglerkaffee“, den Josef Gander unter dem Namen Kuntrawant von Hand röstet. Mit viel Ausdauer, großer Experimentierfreude und bemerkenswerter Leidenschaft, die man dem Kaffeeröster aus Prad am Stilfserjoch bei jedem Wort über seine Arbeit anhört.

Herr Gander, kann man davon ausgehen, dass Sie ein passionierter Kaffeetrinker sind?

Ja, ich trinke viel Kaffee.

Und wie trinken Sie Ihren Kaffee am liebsten? Mit oder ohne Milch und Zucker?

In letzter Zeit findet sich zunehmend oft Filterkaffee in meiner Tasse. Meistens schwarz, ohne alles. Denn Milch passt zu bestimmten Kaffeearten gar nicht. Und Zucker ist ein Geschmacksverstärker, der sowohl die guten als auch die weniger guten Eigenschaften eines Kaffees hervorhebt.

Ob Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato – der schwarze Trank ist auch in Südtirol sehr beliebt. Trotzdem zählt Kaffee eigentlich nicht zu den regionalen Vorzeigeprodukten. Wie kommt man dennoch auf die Idee, im Vinschgau Kaffee zu rösten?

Unsere Familie betreibt seit 1968 ein kleines Kaffeehaus am Dorfplatz von Prad. Obwohl in so einem Gastbetrieb Kaffee zu den meistbestellten Getränken gehört, verkaufen viele ein Produkt, über das sie sich kaum Gedanken machen. Die Idee einer eigenen Kaffeerösterei ist 2007 auf einer Reise nach San Francisco/Kalifornien entstanden. Dort gibt es – anders als bei uns – viele solcher Betriebe. Und da ich schon immer ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker war, habe ich dann quasi von heute auf morgen eine Anlage gekauft und angefangen zu probieren.

Klingt nach einem spannenden Unterfangen. Wie weit war dann der Weg von den ersten Experimenten zu den Kuntrawant-Kaffeedosen in den Geschäftsregalen?

Sechs Jahre lang haben wir getüftelt, bis wir – mein Bruder und ich – 2013 die Kaffeemanufaktur gegründet haben. Es war teilweise gar nicht einfach, da alles sehr stark auf die Rohstoffe ankommt, für die man erst ein Gefühl entwickeln muss. Es gibt jedoch so etwas wie eine internationale Kaffee-Szene mit Röstern, Händlern und Kaffeeinteressierten, zu denen wir im Laufe der Zeit viele hilfreiche Kontakte geknüpft haben.

Der Name Kuntrawant bedarf einer kurzen Erklärung. Woher kommt er?

Wir wollten nicht einfach einen Namen für unseren Kaffee finden, sondern damit auch eine Geschichte erzählen. Bei der Entwicklung der Marke sind wir auf die Vinschger Schmuggler gestoßen. Diese haben rare Produkte zum Teil unter Lebensgefahr aus der Schweiz oder Österreich nach Südtirol gebracht. Neben Zigaretten und Zucker ist auf diese Weise auch Kaffee über die Grenze gekommen. Abgeleitet von „contrabbando“, dem italienischen Begriff für Schmuggel, haben wir unsere Rösterei Kuntrawant genannt. Unseren Kaffee kann man zwar mittlerweile ganz legal genießen, er ist aber – wenn man ihn zu schätzen weiß – nach wie vor ein wertvolles Gut.

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass der Kaffee aus dem Hause Kuntrawant so ein wertvolles und vor allem geschmackvolles Gut ist. Was unterscheidet ihn von handelsüblichen Kaffees, die ja wirklich en masse in den Geschäften warten?

Unser Kaffee ist zum einen qualitativ absolut hochwertig und seine Herkunft rückverfolgbar. Wir beziehen die Bohnen aus verschiedenen Ländern, wobei wir großen Wert auf hohe Anbau- und Erntequalität, zum Teil biologischen Anbau, aber auch gute Arbeitsbedingungen für die Menschen dort legen. Zum anderen ist der Kuntrawant-Kaffee immer frisch geröstet. Und zwar wirklich frisch, denn wir rösten dreimal wöchentlich eine kleine Menge. Das Datum der Röstung ist auf jeder einzelnen Packung ersichtlich. Wir rösten auch eigens für größere Bestellungen. Dazu muss ich anmerken: Nach der Röstung sollte ein Kaffee immer zehn Tage ruhen, bevor man ihn genießt. Er sollte aber auch nicht älter als drei Monate sein, da er sonst an Aroma verliert.

Welches Röstverfahren kommt bei Ihnen zum Einsatz?

Wir rösten von Hand und verwenden das traditionelle Trommelröstverfahren, bei dem die Bohnen ihren Geschmack voll entfalten können. Natürlich passen wir die Röstung jeweils an den Charakter des Kaffees an und erstellen mit viel Geduld eigene Röstprofile.

Es gibt also nicht nur den Kuntrawant-Kaffee, sondern verschiedene Sorten, die mit jeweils eigenem Röstverfahren verarbeitet werden?

Ganz genau. Verschiedene kräftige Espressos, die an den Geschmack von Beeren oder Schokolade erinnern, mild-fruchtigen Filterkaffee, eine koffeinfreie Variante und sortenreine Kaffees, die ausschließlich aus einer Bohnenart bestehen. Die Kaffeenamen – zum Beispiel Vitéa, Uina, Terza – stammen dabei übrigens von alten Vinschger Schmugglerpfaden. Außerdem sind alle Sorten jeweils gemahlen und als ganze Bohne erhältlich – wobei letztere aufgrund ihres Aromas und der längeren Haltbarkeit vorzuziehen sind.

Ob Espresso oder Milchkaffee, manche Menschen reagieren empfindlich auf das Getränk. Liegt das am Kaffeetrinker oder eher am Kaffee?

Meist liegt das an der Qualität des Kaffees, für den oft unreife Früchte verarbeitet wurden. Denn unreife Bohnen enthalten viel Säure, die wiederum einigen Leuten auf den Magen schlägt. Mit gutem Kaffee (wie dem unseren) passiert das nicht.

Ein guter, aber auch spezieller Kaffee wie der Ihre hat seinen Preis und spricht spezielle Kaffeetrinker an. Wer ist Ihre Zielgruppe?

Unser Kuntrawant-Kaffee soll in erster Linie nicht irgendein anonymes Produkt sein, denn er hat Charakter und Profil. Viele Menschen legen heute vermehrt Wert auf solche gute, nachvollziehbare, authentische Produkte – und genau diese Menschen möchten wir erreichen. Also leidenschaftliche Kaffeetrinker wie wir, die Qualität und regionale Verarbeitung zu schätzen wissen. Aber auch die Gastronomie. So bemühen wir uns beispielsweise um Partner, die unseren Kaffee in ihrem Hotel oder ihrer Bar ausschenken und ein besonderes Kaffeeerlebnis bieten wollen: mitunter sogar handgefiltert direkt vor dem Gast, der zudem alle Details zum bestellten Kaffee erhält. Ich bin neugierig, was die Zukunft in diesem Bereich bringt. Doch ich glaube, das Thema Kaffee kommt bei uns erst richtig.

Wo ist der Kuntrawant-Kaffee derzeit erhältlich?

In unserem Café Gander in Prad, in mehreren Hotels, Bars und Restaurants kann man unseren Kaffee direkt genießen. Für die Zubereitung zu Hause ist er in allen PUR Südtirol Geschäften erhältlich – sowie online über unsere Homepage.

Vielen Dank für das Gespräch!
 

Weitere Informationen:
www.kuntrawant.com

Fotos © Kaffeerösterei Kuntrawant

geschrieben von
Steffi
am 18.08.2015